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Anahita Razmi - SWING STATE

Für die deutsche Künstlerin mit iranischen Wurzeln steht die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Aspekten im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. 

Anahita Razmi

Anahita Razmi, „Arsenals“ 2012, Installationsansicht Kunstmuseum Stuttgart, Foto: Ganzenmüller

Für die in Deutschland geborene Künstlerin ist der Iran ein Ort ihrer Abstammung – ohne jedoch Heimat zu sein – und zugleich ihr wichtigstes Studienobjekt. Ihre Performance- und Videoarbeiten zeugen dabei von einem selbstbewusst-kritischen, immer aber auch humorvollen Blick auf die Verhältnisse und die Diskrepanz zwischen privater und öffentlicher Realität.

Die international bereits viel beachtete Künstlerin Anahita Razmi (*1981 in Hamburg) wurde zuletzt durch die Auszeichnung mit dem Emdash Award der Frieze Art Fair in London bekannt. Derzeit lebt und arbeitet sie in Los Angeles, gefördert durch das renommierte MAK Schindler Stipendium.

Die Stadtgalerie Saarbrücken präsentiert Anahita Razmis Werk erstmals in großem Umfang mit einem Schwerpunkt auf ihren jüngsten Foto- und Video-Produktionen: Im Januar 2013 realisierte die Künstlerin mit ihrer Performance "Re/Cut Piece" in Dubai ein Re-Enactment der legendären Performance "Cut Piece" von Yoko Ono (1964). Cut Piece war ein Entblößungs-prozess, der im unmittelbaren Austausch mit dem Publikum stattfand und die körperlichen Grenzen zwischen Betrachtern und Künstlerin, zwischen Angreifern und Opfer, und auch zwischen männlichem Zuschauer-Subjekt und der Frau als Objekt spürbar machte. Mit "Re/Cut Piece" transferierte Razmi die ursprüngliche Performance aus ihrem feministischen Kontext der 1960er Jahre in das zeitgenössische Dubai. 

Bereits 2011 hatte Razmi die Performance "Roof Piece" (1973) der amerikanischen Choreografin Trisha Brown zum Ausgangspunkt einer ähnlichen Überführung gemacht. Während bei Brown die Dächer von Downtown Manhattan zur Bühne improvisierter Tanzbewegungen wurden, nutzte Razmi die politische Bedeutung der Dachlandschaft Teherans als Ort der Revolution (2009) für ihre Choreografie. Aus Sicherheitsgründen war ihr "Roof Piece Tehran" jedoch nicht wie Trisha Browns Stück als Live-Performance zu erleben, sondern gelangte erst in dem Moment an die Öffentlichkeit, als die Künstlerin die zwölf Videosequenzen des Stücks auf der Frieze Art Fair in London präsentierte.

Auch mit ihren Arbeiten "I’ve got it all (too)" (2008), "Walking Drunk in High Shoes" (2010) und "HellterFuckingSkelter" (2012/13) von Tracey Emin oder "VB67" (2011) von Vanessa Beecroft nahm Razmi Bezug auf frühere Werke bekannter Künstlerinnen. 
Diese Auseinandersetzung mit legendären Stücken aus der jüngsten Kunst- und Filmgeschichte durchzieht Razmis gesamtes Werk. So auch ihre neueste Videoarbeit "Iranian Beauty", die erstmals in der Stadtgalerie Saarbrücken zu sehen sein wird.