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Nezaket Ekici & Shahar Marcus - IN RELATION

Nezaket Ekici & Shahar Marcus - Performances

Es sind Begegnungen unter extremen Bedingungen - im Toten Meer, in der Wüste, unter Tage – partnerschaftlich, in Konfrontation, im Überlebenskampf. Eine Ausstellung von Nezaket Ekici und Shahar Marcus. 

Nezaket Ekici & Shahar Marcus, Saltdinner, 2012, Video Performance, 3 min 19 s, Foto: Maya Elran

Nezaket Ekici & Shahar Marcus, Saltdinner, 2012, Video Performance, 3 min 19 s, Foto: Maya Elran

In Relation ist ein Gemeinschaftsprojekt der deutsch-türkischen Performance-Künstlerin Nezaket Ekici (*1970) und des israelischen Künstlers Shahar Marcus (*1971). Ihr körperliches Aufeinandertreffen in verschiedenen Performances, die beide seit 2012 entwickelt und durchgeführt haben, versinnbildlicht die Auseinandersetzung mit elementaren Fragen, wie der eigenen Position in Zeit, Raum, Kultur und Religion. Als Performer mit langjähriger internationaler Erfahrung setzen beide ihren Körper als Medium ein, um Kräfte und Energien aufzubauen, Spannungen und Konflikte auszutragen und ins Bild zu setzen. Indem sie dabei bis an die eigenen körperlichen Grenzen gehen, drehen sich ihre Arbeiten nicht zuletzt um die Grenzen kultureller und politischer Differenz.

In ihrer Video-Performance Salt Dinner sehen wir die beiden Künstler beim gemeinsamen Mahl im Toten Meer. Sie reichen sich die vom Wasser getränkten Speisen, trinken Wein, brechen Brot – immer darauf bedacht, das Gleichgewicht zu halten und nicht von den Wellen davongetragen zu werden. Es ist ein ermüdender Prozess, der ihnen durch die übermäßige Salzaufnahme zusetzt. Eine ironische Metapher auf religiöse Rituale und die Präsenz des Todes mitten im Leben.

Die Performance-Installation Floating Ourselves zeigt die beiden in Konfrontation miteinander. Auf einer langen Tafel, die mit unzähligen wassergefüllten Gläsern bedeckt ist, beziehen sie jeweils an einem Tischende stehend Position, todernst, einander fixierend. Unendlich langsam bewegen sie sich aufeinander zu, ohne je den Blick abzuwenden. Bei jedem Schritt nach vorn leeren sie ein Wasserglas und stecken es in die dafür vorgesehenen Taschen an ihren weißen Kostümen, bis diese zum Bersten gespannt sind. Schließlich stehen sie einander gegenüber, um mit einem Ruck aufeinanderzuprallen, wobei einige der Gläser zerbrechen.

Es sind starke Bilder für die Begegnung zwischen Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Temperaments und Abstammung, und zugleich Metaphern für die emotionalen, physischen und psychischen Ereignisse in der Beziehung zum Anderen.

Anlässlich ihrer großangelegten Ausstellung in der Stadtgalerie nehmen Ekici und Marcus jedoch auch die saarländische Bergbaugeschichte in den Blick: gefilmt inmitten der Industrielandschaft auf der Halde Lydia und in den geheimnisvollen Schlossberghöhlen in Homburg. Diese speziell für und in Saarbrücken produzierte Video-Arbeit reflektiert den außergewöhnlichen Charakter einer von der Montan-Industrie geprägten Landschaft und zeichnet ihre Auswirkungen auf das Leben der Menschen nach.