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Gruppenausstellung - NACH DER NATUR

In subtilen, ästhetischen Bildern reflektierte die Ausstellung "Nach der Natur" die brandaktuelle Debatte um Gentechnik, Entfremdung und Verlust von Natur. 

Ursula Palla, bird 3, Videoinstallation, 2013, Gipsfüsse, Videoprojektor, Movebox, Videoloop 6 Minuten, ohne Ton

Ursula Palla, bird 3, Videoinstallation, 2013, Gipsfüsse, Videoprojektor, Movebox, Videoloop 6 Minuten, ohne Ton

Wer es genießt, durch schön angelegte Parks und schattige Wälder zu spazieren oder auch im schottischen Hochland Urlaub zu machen, denkt sich der Natur sehr nahe. Doch natürlich sind Waldwege, kultivierte Parklandschaften und selbst die schottischen Highlands das Ergebnis einer manipulierten „Natur“, die allein auf menschliche Bedürfnisse ausgerichtet ist.

Wenn wir die Geschichte der Natur, die Benennung ihrer Flora und Fauna als menschlichen Versuch verstehen, das „Chaos“ der Natur zu ordnen, zu begreifen, zu definieren und damit beherrschbar zu machen, dann stellt sich die Frage, ob nicht alles, was wir an „Natur“ wahrnehmen, bereits als Projektion bzw. Konstruktion nach unseren Vorstellungen von einer natürlichen Welt erscheint. Was wir als Natur wahrnehmen, hat ausschließlich mit dem zu tun, was als „Natur“ im Gegensatz zu Kultur definiert wird. Auf dieser Opposition gründet sich unser westliches Natur- und damit auch unser Selbstverständnis. In unseren „Natur“-Bildern spiegeln sich Sehnsüchte und Ängste, die daraus resultieren, dass wir uns außerhalb der Natur denken.

Gerade in jüngster Zeit nehmen Künstlerinnen und Künstler diese „Natur“ und ihre Repräsentation immer wieder kritisch in den Blick. So konfrontiert uns Regula Dettwiler (*1966) in ihren altmeisterlichen Pflanzenzeichnungen und Collagen mit einer künstlichen Flora, die weltweit zu haben ist und das Verschwinden des regionalen Artenreichtums verdeckt. Demgegenüber macht uns Ursula Palla (*1961) mit ihren interaktiven Installationen und Videos die Auflösung und Rekonstruktion natürlicher Landschaften bewusst. Das Künstlerpaar Gabriela Gerber (*1970) & Lukas Bardill (*1968) präsentiert mit „Dornröschen“ eine raumgreifende Video-Installation über das Verhältnis von Mensch und Natur, Zeit und Raum, und die Konstruiertheit „natürlicher“ Wachstumsprozesse.

In diesem Sinne steht hier eine Bildkultur zur Debatte, die darauf angelegt ist zu verschleiern, dass die vermeintlich „natürliche“ Welt längst von einer alles durchdringenden, konstruierten Natur beherrscht wird.