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Gruppenausstellung NEON – VOM LEUCHTEN DER KUNST

Mit 36 sehr unterschiedlichen Positionen zeigt die Gruppenausstellung die ganze Vielfalt an künstlerischen Aspekten, die das Thema Neon in sich hat. Die Schau wurde gemeinsam mit dem Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt erarbeitet und von Amely Deiss kuratiert. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. 

Plakat_Ausstellung_Neon (Quelle: Stadtgalerie)

Neonfarben erregen Aufmerksamkeit, rütteln wach, warnen und setzen leuchtende Akzente. Aus Werbung, Mode und Verkehr sind sie nicht mehr wegzudenken und seit den 1950er Jahren spielen sie auch in der Kunst eine wichtige Rolle. Seit die ersten Künstler mit der Wirkung von Tageslichtfarben experimentierten, leuchtet und strahlt es in Museen und Galerien. Und gerade in den letzten Jahren erlebt Neon ein Revival in der jungen Kunst.

Erstaunlich, dass es zu diesem Thema noch keine Ausstellung und auch kaum wissenschaftliche Aufarbeitungen gibt: die Tagesleuchtfarben in der Kunst! Dabei begegnen wir den Neonfarben zur Zeit nicht nur in der Mode und in der Werbung überall, sondern auch auf den Kunstmessen und in den Galerien leuchtet es wie nie zuvor. Es ist auffällig, wie viele junge Künstler auf diese explosive Farbe zurückgreifen, um damit womöglich Gegensätze zu betonen, optische Effekte zu erzielen oder auf die gegenwärtige Alltags- und Jugendkultur zu referieren. Sie stehen in bewusster – manches Mal vielleicht auch unbewusster – Tradition der jüngeren Kunstgeschichte, die seit den 1950er Jahren die Neonfarben für sich entdeckte. Pioniere wie Rupprecht Geiger und Günter Fruhtrunk sind hier zu nennen. Im internationalen Kontext ist es vor allem das Vorbild von Frank Stella, das bis heute auf junge Künstler anregend wirkt.
Von Anfang an waren die Neonfarben ein Thema der Konkreten und abstrakten Maler. Etwas versetzt entdeckten die amerikanischen Pop Art-Künstler den Reiz der grellen Leuchtfarben. Die Farbe bot Möglichkeiten für neue Raum- und Wahrnehmungserfahrungen. Sie waren aber zugleich ein adäquates Mittel, um die Werbewelt, den billigen Kitsch und Glamour ins Bild zu holen. Einerseits verfremden Leuchtfarben den Gegenstand und lenken den Blick auf Farbwirkung, Form und Raum. Auf der anderen Seite kann genau dieser Verfremdungseffekt genutzt werden, um Alltagsgegenstände auf- und umzuwerten. Die Neonfarben eigene sich vortrefflich, um Signale zu setzen und dadurch auf bestimmte Eigenarten explizit hinzuweisen. Trotz dieser Eigenschaften ist in den 1980er Jahren eine bemerkenswerte Lücke festzustellen. Mit wenigen Ausnahmen setzt der Boom der Neonfarben erst wieder in den letzten Jahren ein. Zahlreiche ungegenständlich arbeitende Künstler wie Berta Fischer, Shannon Finley, Arne Quinze oder Anselm Reyle befassen sich seither intensiv mit Neonfarben und haben keine Berührungsängste mit der Alltagswelt. Für sie spielt die Trennung zwischen Konkreter Kunst und Pop-Art keine Rolle mehr. Die jüngste Generation vereint im Grunde die zwei starken Tendenzen, die von Anfang an die Geschichte der Leuchtfarben prägten, und entwickelt neue Wege.

In der Ausstellung vertretene Künstler

Hartmut Böhm, Greg Bogin, Jeremy Deller, Shannon Finley, Berta Fischer, Sylvie Fleury, Rupprecht Geiger, Rolf Glasmeier, Kuno Gonschior, Katharina Grosse, Sabrina Haunsperg, Gisela Hoffmann, Henriëtte van’t Hoog, Zora Kreuzer, Manfred Kuttner, Roman Lang, Thomas Lenk, Renée Levi, Max Hermann Mahlmann, Gerold Miller, Yudi Noor, Gudrun Piper, Arne Quinze, Karl Reinhartz, Anselm Reyle, Felix Rodewaldt, Thomas Ruff, Roman Schramm, Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger, Stefan Strumbel, Lars Teichmann, Luis Tomasello, Timm Ulrichs, Ludwig Wilding, Stefan Wischnewski.