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Pablo Wendel - PERFORMANCE ELECTRICS

Performance Electrics eröffnete eine erste temporäre Niederlassung in der Stadtgalerie Saarbrücken. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. 

 

Performance Electrics, Varta Bande

Performance Electrics, Varta Bande

Pablo Wendel (*1980 in Tieringen/Baden-Württemberg) wird auf der zweiten Ebene der Stadtgalerie eine Inszenierung schaffen, die als „Kunstkraftwerk“ neue Formen der Energiegewinnung ausschöpft. 

Pablo Wendels Kunststrom-Projekt Performance Electrics ist ein künstlerisches Unternehmen, das seine Brisanz aus verschiedenen Faktoren schöpft. Mit der Frage nach neuen Energieressourcen und der Wertigkeit von Strom dreht es sich inhaltlich um ein brandaktuelles gesellschaftspolitisches Thema. Dabei setzt Wendel verschiedene künstlerischen Praktiken ein, die von einem ganzen Künstler-Team mitgetragen und ständig weiterentwickelt werden. So machen performative Prozesse, wie das Ausschwärmen der Vartabande in die Stadt, um Strom zu sammeln, oder die Arbeit der künstlerischen AbteilungsleiterInnen in den Räumen der Stadtgalerie das Unternehmen Performance Electrics zu einem interaktiven Labor, an dem das Publikum einen wichtigen Anteil hat. Im Austausch über Kunststrom und die vom Performance Electrics-Team entworfenen Objekte – Windräder, Ottomobil und Solarzellen – entwickeln sich Gespräche, in denen es um nichts weniger geht, als um den aktuellen Kunstbegriff und die gesellschaftliche Relevanz von Kunst. Dabei steht auch zur Diskussion, inwiefern Energiegewinnung mit ästhetischen Fragen gekoppelt werden muss, um verunstaltete Dachlandschaften ebenso zu vermeiden wie verschandelte Naturgebiete. Die Wahrnehmung und Gestaltung der Umwelt ist letztlich auch eine künstlerische Frage und die Kunst damit von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung. So stellt Pablo Wendel mit seinem Projekt Performance Electrics schließlich auch den Künstlerbegriff zur Debatte und damit die Frage danach, wie Künstler in unserer Gesellschaft definiert werden, unter welchen Bedingungen sie arbeiten und wie ihre Arbeit bewertet wird. Indem Wendel sein Kunst-Unternehmen als Wirtschaftsunternehmen aufstellt und Strukturen einführt, die Kunst nicht länger als „brotlosen“ Erwerb voraussetzen, macht er deutlich, dass sich überkommene Vorstellungen von der Kunst als Gegensatz zur Wirtschaft nicht länger aufrechterhalten lassen. Wer Kunststrom erwirbt, unterstützt die Konzepte von Performance Electrics und ihre MacherInnen darin, mit ihren künstlerischen Objekten und Praktiken zur Energiegewinnung nicht nur das Bewusstsein für eine der drängendsten gesellschaftspolitischen Fragen zu schärfen, sondern dafür auch praktikable Lösungen zu finden, die ästhetische, menschliche und politische Kritierien miteinbeziehen.